Zombies
INFORMATION // CLASSIFIED // ACCESS GRANTED
Nicht jeder Zombie ist gleich, auch wenn sie auf den ersten Blick alle denselben ziemlich schlechten Tag zu haben scheinen. Grundsätzlich reagieren alle Infizierten auf akustische und visuelle Reize. Geräusche ziehen sie an, und je lauter das Geräusch, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass plötzlich deutlich mehr Interesse an der eigenen Person besteht, als einem lieb sein kann. Auch Bewegungen und andere sichtbare Reize können ihre Aufmerksamkeit erregen. Genau das macht Ablenkung zu einer der wichtigsten Überlebenstechniken. Ein Stück Fleisch kann dabei hervorragende Dienste leisten, ebenso wie ein Stein, der mit voller Absicht gegen eine Wellblechwand fliegt. Hauptsache laut genug, damit die Zombies anschließend woanders nachsehen und man selbst möglichst schnell in die entgegengesetzte Richtung verschwindet. Klettern können sie alle nicht. Keine der bekannten Zombiearten besitzt die nötige Koordination, um Leitern hinaufzuklettern, Mauern zu überwinden oder über Tore zu steigen. Alles, was höher ist, als sie mit ihren Händen erreichen können, ist damit grundsätzlich ein ziemlich guter Schutz. Treppen hingegen sind ein Sonderfall. Manche Zombies schaffen es tatsächlich, ein paar Stufen hinauf zu kommen, andere scheitern bereits an der ersten Stufe und legen sich dabei mit einer Würde hin, die man normalerweise nur von sehr betrunkenen Menschen kennt. Wer eine Treppe als Fluchtweg benutzt, sollte trotzdem nicht zu lange stehen bleiben. Irgendwann kommen sie vielleicht doch oben an.
SCHLURFER
Der Schlurfer ist die vermutlich harmloseste Variante, zumindest solange man nicht vergisst, dass harmlos bei einem Zombie immer nur relativ ist. Er bewegt sich langsam, schleppend und mit einer Geschwindigkeit, bei der man beinahe Mitleid bekommen könnte. Beinahe. Der Schlurfer hat es nicht besonders eilig und verfolgt seine Opfer eher mit Beharrlichkeit als mit wirklicher Geschwindigkeit. Genau das macht ihn allerdings gefährlich, wenn man unaufmerksam ist. Wer beispielsweise in einem verlassenen Supermarkt mit dem Kopf tief in einem Kühlschrank steckt und gerade überlegt, ob der Joghurt von vor drei Jahren noch eine gute Idee ist, könnte plötzlich feststellen, dass hinter ihm bereits jemand steht. Der Schlurfer greift nicht taktisch an und plant auch keine Hinterhalte. Er ist einfach zufällig dort. Und manchmal reicht das vollkommen.SPRINTER
Der Sprinter ist das deutlich unangenehmere Upgrade des Schlurfers. Wie der Name bereits verrät, kann dieser Zombie tatsächlich laufen, und das mit einer Geschwindigkeit, bei der plötzlich sehr viel weniger Zeit zum Nachdenken bleibt. Er kann Entfernungen schnell überbrücken und ist deshalb besonders gefährlich auf offenen Flächen oder langen, geraden Straßen. Wer einem Sprinter begegnet, sollte möglichst schnell verschwinden und idealerweise bereits einen Plan haben, bevor der Zombie überhaupt losläuft. Ein geeigneter Köder kann dabei Gold wert sein. Fleisch funktioniert, laute Geräusche ebenfalls. Und falls beides nicht vorhanden ist, bleibt immer noch die klassische Überlebensstrategie: Du musst nicht schneller sein als der Zombie. Du musst nur schneller sein als derjenige neben dir. Nicht besonders solidarisch, aber ausgesprochen effektiv.GROOVER
Der Groover ist vermutlich der einzige Zombie, bei dem man sich manchmal fragt, ob das Virus nicht doch einen ziemlich eigenartigen Sinn für Humor besitzt. Diese Infizierten reagieren besonders stark auf Musik und sind deshalb vor allem im Gebiet der Freaks anzutreffen. Was angesichts der Tatsache, dass dort gefühlt rund um die Uhr irgendwo Musik läuft, niemanden wirklich überraschen sollte. Der Groover bewegt sich häufig rhythmisch und wirkt dabei beinahe so, als würde er tanzen. Ob das tatsächlich eine Reaktion auf die Musik ist oder lediglich das Ergebnis eines Gehirns, das irgendwo zwischen Nervenschädigung und Bewegungsstörung einen eigenen Tanzstil entwickelt hat, konnte bisher niemand klären. Sicher ist nur: Läuft irgendwo laute Musik, sollte man mit Groovern rechnen. Und wer einen Groover dabei beobachtet, wie er mitten in der Straße zu einem alten Rocksong herumwackelt, sollte sich vielleicht kurz amüsieren. Aber bitte nur kurz. Das Ding ist immer noch ein Zombie.BERSERKER
Der Berserker ist mit Abstand die schlimmste Begegnung, die einem auf der Straße passieren kann. Diese Infizierten können eine Körpergröße von bis zu drei Metern erreichen und entwickeln eine enorme Muskelmasse und körperliche Kraft. Die Sentinels haben festgestellt, dass dieses extreme Wachstum offenbar besonders häufig bei Menschen auftritt, die bereits vor der Infektion eine größere oder kräftigere Körperstatur besaßen, unabhängig davon, ob diese durch Training oder schlicht durch sehr konsequentes Essen entstanden war. Berserker gibt es bei Männern und Frauen gleichermaßen. Sie sind nicht besonders schnell, bewegen sich aber deutlich schneller als ein Schlurfer und besitzen dafür eine Kraft, die jede Diskussion über Geschwindigkeit ziemlich schnell beendet. Türen, Fahrzeuge, Barrikaden und andere Hindernisse sind für einen Berserker bestenfalls eine kurzfristige Meinungsverschiedenheit. Wer einen sieht, sollte deshalb nicht überlegen, ob er ihn vielleicht besiegen kann. Nein. Einfach nein. Wegrennen, verstecken, einen riesigen Bogen machen und dabei hoffen, dass man nicht gerade die Aufmerksamkeit des Drei-Meter-Zombies auf sich gezogen hat, sind wesentlich bessere Strategien.CELEBRITIES
Und dann gibt es noch jene besonderen Exemplare, die sich aus irgendeinem Grund weigern, einfach normale Zombies zu sein. Sie werden von den Überlebenden liebevoll Celebrities genannt. Nicht nur, weil sie berühmt sind, sondern auch weil sie so auffällig und eigenartig sind, dass praktisch jeder in Las Vegas von ihnen gehört hat. Manche dieser Zombies scheinen bestimmte Verhaltensweisen aus ihrem früheren Leben beibehalten zu haben. Ob dahinter tatsächlich noch irgendwelche Erinnerungsreste stecken oder ob das Gehirn lediglich auf äußerst bizarre Weise bestimmte Bewegungsmuster konserviert hat, weiß niemand. Wissenschaftlich lässt sich das ohnehin nur schwer untersuchen, wenn das Untersuchungsobjekt versucht, einem den Arm abzubeißen.Der Preacher
Der Preacher ist vermutlich das merkwürdigste Exemplar unter den Celebrities. Einst war er ein Straßenprediger. Heute ist er ein zombifizierter, schwer zugerichteter Mann ohne Beine, der sich auf einem Skateboard durch die Straßen bewegt und dabei unaufhörlich seine Parolen brüllt. Ein Gespräch kann man mit ihm nicht führen. Niemand weiß genau, wie er es schafft, das Skateboard zu bedienen. Er wirkt wie eine Mischung aus verwahrlostem Straßenprediger, wandelnder Katastrophe und jemandem, den man auf keinen Fall nach dem Weg fragen möchte. Überall finden sich alte Wunden, Narben und Bissspuren. Und obwohl eigentlich offensichtlich sein sollte, dass er längst kein Mensch mehr ist, sorgt seine Erscheinung immer wieder für Verwirrung. Einige Überlebende schwören sogar, dass sie ihn schon einmal dabei beobachtet haben, wie er scheinbar auf jemanden reagierte. Ob darin tatsächlich noch ein Rest Menschlichkeit steckt oder nur ein besonders seltsamer Reflex, weiß niemand. Vertrauen sollte man ihm trotzdem ungefähr genauso weit wie einem Feuerzeug neben einem Benzinkanister.
Der Postman
Der Postman ist wahrscheinlich der höflichste Zombie Nevadas. Zumindest solange man seine Post annimmt. Der ehemalige Briefträger trägt noch immer seine alte Uniform und läuft mit seiner Posttasche durch die Straßen. Das wirklich Unheimliche daran ist allerdings, dass diese Tasche scheinbar niemals leer wird. Er verteilt regelmäßig Briefe an Menschen, Häuser und manchmal offenbar auch an Orte, an denen schon seit Jahren niemand mehr lebt. Woher die Briefe kommen und warum er immer wieder neue besitzt, konnte bisher niemand erklären. Solange man einen angebotenen Brief entgegennimmt, bleibt der Postman friedlich und zieht anschließend weiter. Wer sich allerdings weigert, die Post anzunehmen, sollte besser schnell sein. Dann verwandelt sich der höfliche Zusteller nämlich in einen ausgesprochen wütenden Zombie. Warum ihm die Zustellung seiner Post so wichtig ist, weiß niemand. Vielleicht steckt dahinter ein letzter Rest seines früheren Lebens. Vielleicht hasst er einfach Menschen, die ihre Post nicht öffnen. Fest steht nur: Wenn der Postman klingelt, nimmt man den Brief.
DIE ELVIS-GANG
Las Vegas wäre schließlich nicht Las Vegas, wenn nicht selbst die Apokalypse ein paar Elvis-Imitatoren hervorgebracht hätte. Die Elvis-Gang besteht aus vier bis fünf Zombies, die gemeinsam durch die Straßen ziehen und erstaunlich überzeugende Coverversionen von Elvis-Songs zum Besten geben. Sie stehen manchmal auf einem verlassenen Parkplatz, in einer Casino-Ruine oder mitten auf dem Strip und veranstalten dort ihre ganz persönliche Zombie-Show. Wer sie aus sicherer Entfernung beobachtet, bekommt vermutlich das absurdeste Konzert seines Lebens geboten, inklusive Hüftschwung, ausgestreckten Armen und gelegentlichem Knurren im Takt. Die Gruppe ist allerdings keineswegs friedlich. Solange sie keinen Menschen bemerken, kann man ihnen tatsächlich beim Singen zusehen. Sobald jedoch ein Mensch ihre Aufmerksamkeit erregt, ist die Show vorbei. Dann lassen die vier bis fünf Imitatoren ihre Karriere als Coverband augenblicklich hinter sich und machen das, was Zombies nun einmal am besten können: Menschen jagen. Wer also unbedingt einmal "Love Me Tender" live hören möchte, sollte dafür sorgen, dass zwischen ihm und der Bühne eine sehr solide Wand steht.
DAS MÄDCHEN UND DER BESERKER
Noch rätselhafter ist das ungewöhnliche Duo aus einem Berserker und einem kleinen Mädchen, das schätzungsweise sechs bis acht Jahre alt ist. Beide sind eindeutig infiziert und trotzdem scheinen sie auf eine Weise miteinander verbunden zu sein, die niemand wirklich erklären kann. Sie sind nahezu immer gemeinsam unterwegs und verhalten sich gegenüber Fremden erstaunlich berechenbar, solange man das Mädchen freundlich behandelt. Wer ihr eine Süßigkeit, ein kleines Spielzeug oder etwas anderes schenkt, das ihre Aufmerksamkeit erregt, kann die Begegnung tatsächlich unbeschadet überstehen. Der Berserker bleibt ruhig, das Mädchen ist zufrieden und beide ziehen irgendwann weiter. Das Problem beginnt, wenn das Mädchen beleidigt, erschreckt oder verärgert wird. Sobald sie anfängt zu weinen oder wütend wird, sollte man deshalb besser bereits einen Fluchtplan haben. Denn dann rastet der Berserker aus, und gegen einen drei Meter großen Zombie, der gerade beschlossen hat, seine kleine Begleiterin zu verteidigen, hilft auch die beste Erziehungsdiskussion nicht mehr. Wer die beiden gesehen hat, hat außerdem fast immer eine Theorie dazu: Vater und Tochter? Bruder und Schwester? Zwei Menschen, die sich erst nach dem Ausbruch gefunden haben? Niemand weiß es. Sicher ist nur, dass dieses ungewöhnliche Paar seit Jahren gemeinsam durch das zerstörte Las Vegas zieht, und dass es vermutlich keine gute Idee ist, das Mädchen zum Weinen zu bringen.
SHORT
- Alle Zombies reagieren auf akkustische und visuelle Reize.
- Sie lassen sich ablenken, um eine Flucht zu ermöglichen.
- Klettern können sie nicht, Leitern, Mauern und hohe Tore sind unüberwindbare Hindernisse, Treppen sorgen dagegen gelegentlich für unfreiwillige Slapstick-Einlagen.
- Schlurfer sind langsam und vergleichsweise ungefährlich, können jemanden, der abgelenkt ist, aber problemlos überraschen.
- Sprinter sind deutlich schneller und damit wesentlich gefährlicher, wer langsamer ist als sie, sollte besser jemanden finden, der noch langsamer ist.
- Groover reagieren extrem auf Musik und sind besonders häufig bei den Freaks anzutreffen, inklusive fragwürdigem Zombie-Tanzstil.
- Berserker sind riesig, extrem kräftig und bis zu drei Meter groß, deshalb gilt bei einer Begegnung grundsätzlich: Wegrennen ist eine ausgezeichnete Idee.
- Der Preacher ist ein zombifizierter Straßenprediger ohne Beine, der auf einem Skateboard durch Las Vegas rollt und seine Parolen brüllt.
- Der Postman verteilt weiterhin Briefe und bleibt friedlich, solange man seine Post annimmt, aber warum seine Tasche niemals leer wird, weiß niemand.
- Weitere Celebrities: Die Elvis-Gang veranstaltet Zombie-Coverkonzerte und jagt Menschen, sobald sie entdeckt werden. Das kleine Mädchen mit dem Berserker bleibt friedlich, solange man nett zu ihr ist, doch wer sie zum Weinen bringt, hat sehr schnell ein sehr großes Problem.